Gedichte

Alle Gedichte ....

Abend in Basel

quietsch tram. ganz andere    
buntmenschen. goldlinienstraße
zum wasser. ölglitzer. glück.

flussabwärts lachpaket,
bier, sundown. einfensterhäuser.
von oben geräusche . ja. so.

steinwarmes flüster. zwei

münder in innigen farben.

trockene worte flüssig getaucht.

wegbogen. schräg zu den
wellen leis gleiten. besonders
die wolke. baumstreichelnd heim.

dämmrige krautordnung.
vierbeinig schaukeln. abendblau
stachel.  Nachtkurvenhaut.

 

aber

Unser Abschied wird sanft sein
wie der leise Wind
vor die Sonne erwacht
lautlos wie Tau,
ziehende Wolken.

Deine Küsse werde ich
nie wieder finden
dich aber
in jeder Frau.


April 2007

Zu Zöpfen
flechten will ich
diesen Monat
mein Jahr
damit zu schmücken.

Ein Strang für
jenen dunkelgrünen Abend
als ich auf deinem Atem schwamm.

Einer für
jähes heißes Licht
versengte Falterflügel.

Ein Strang für
jenen blinden Narren der
aus der Wand heraus sich gießt
ins Ungefähre.

Ein Strang für
viele Gläser Freundschaft.

Und einer schwarz
von Dornen.


auf den Punkt


ich: ausgangspunkt

punktwolke: viele

aber zielpunkt bist

du

dich (punktlandung)

liebe ich

punkt.



blau


ich gehe wieder

in mein blaues Haus

blau meine Welt

blau meine Schuhe

das Bett blau

meine Hände


wenn ich aus dem Fenster sehe

in der Ferne

eine andere Farbe

das bist du



blind


Die Dinge
die schmerzen
sind dir so vertraut
wie die Hände von Freunden
wie lang getragene Schuhe
passen sie dir.

Wenn dein Fleisch nicht
nachts auf dir siedet
suchst du am Rande
der Straßen nach Kreuzen
mit ihnen beladen
weiter zu kämpfen.

Nicht
dich zu sehen.
Nichts,
wie es ist.



Chiasmische Gymnastik


ich benutze Türen

obwohl ich ein Geist bin

ich bin ein Geist

auch wenn mir niemand glaubt

mir glaubt das niemand

obwohl ich es jedem sage

ich sage es jedem

auch wenn mir niemand zuhört

niemand hört mir zu

obwohl ich deutlich spreche

ich spreche deutlich

auch wenn mich alle sehen

alle sehen mich

obwohl ich ein Geist bin

 

Cluster zum heutigen Tag


Nie mehr vom Kampf

singen will ich von

glänzender Rüstung

Schild, Schwert und

Speer dem gesteigerten

Leben das mit uns zieht

denn nichts anderes

ist Kampf als Erschöpfung

Verwundung Zerstörung

Tod Sieg ist selten



Das Gesicht in meinem Zimmer


Und immer ist da
dieses Gesicht:
unberührt,
ob wir uns in den Schluchten verlaufen
oder die Sonne zwischen uns ist.

Dieses Gesicht:
reglos
gleichgültig
mit niedergeschlagenen Augen
so viele Jahre schon
Regenbogen
- dabei
recht eigentlich
schwarz.


Das Nest


Wir bauen unser Nest wir

Bauen ein schwankendes

Nest wir bauen es in die

Luft wir freuen uns auf das

Nest das Nest

 

das gar nicht da ist

 

Wir legen uns schlafen

Wir richten es ein wir feiern

Das Nest wir sind stolz auf

Das Nest dass es

Schwankt stört uns

Nicht wir träumen uns

Fest



Das Meer im Januar 2009


Bis uns die Zeit weckt
das graue Meer.
uns an Land wirft
treiben wir.

Ohne Boot.
Ohne Sicheres.
Nur wir.

Sanft schaukelst du auf
meinen Wellen. Deine
Augen sind offen.

Nicht,
dass wir untergehen,
fürchte ich.



Das Menschenspiel


Es standen weiße Tulpen einst im Parke

und rote ihre Münder noch nicht offen

es ging ein Weg hindurch von einer Harke

als stiller Strich gezogen wie ein Hoffen

des Mannes dort am Fenster eine Barke

aus rosa Lack Flamingosegel schroffen

an Menschenfelsen auf dass einer fiele.

Dies uns zu zeigen ist der Sinn vom Spiele.



Das Schlachtfeld


Du gabst mir den Tod
oft genug
bevor du mich ließest
auf den Feldern
der Liebe

so leicht...

wie Ascheflocken
treibe ich
unter dem leeren
Himmel



Das Tor


Ich stand schon oft vor diesem Tor
ohne hindurch zu gehen.
Du zwangst mich in den Staub davor
und: es anzusehen

Im Staub kam ich ratlos zu liegen,
alles hinter mir ist versperrt.
Nichts Liebes wird mich mehr wiegen
und das Tor ist mir verwehrt.

Ringsum Menschen auf ihren Wegen
während die Welt sich weiter dreht.
Nur ich kann mich nicht bewegen,
werd‘ mit dem Staub verweht...



Der Bader


Vom Tod geschröpft, erschöpft

vom Leben bin ich, alter

Bader, reiß mir die Zähne, stich

Eiterbeulen auf

lass mich zur

Ader, mach mich

weniger



Der Krug


wie es wohl wäre
aus der Fülle zu schöpfen
wie es wohl wäre
sicher
zu sein?

Dann aber
- welches die richtige Art
den Krug auch zu halten?
seiner nicht achtend
als
wöge er nichts

oder
wie etwas Heiliges
hoch
vor mir her?

ihn umschlingen eng
an die Brust gegen
die
Zähne in seinen
Rand schlagen
bis er zerbricht...



Der Troubadour


Ich bin ein stummer Troubadour

auf hohem Rosse

prächtig

obwohl ein Minnesänger nur

recht sehr im Geiste

mächtig

in Träumen viel

und welterfahren

von klugem

höfischem Gebaren

und voll der Liebe

wunderbar

bis zu dem Spiegel

ach, ich Narr....

 


Die Jagdhütte


Eine Dame in Blau
kommt
die Läden zu schließen
sie wieder zu öffnen.

Eine Katze in Grau
tut
ganz unbeteiligt
in der Art aller Katzen

Dabei sieht sie genau
die Leiche
zärtlich gewiegt
in den Armen
der Eiche.

 

Die leichten unter den Elementen


Ich bin ein Weidenbaum
und ihr aus Eiche.

Wo ihr aus Fleisch
da bin ich Stein.

Ich bin wie Wasser,
wo ihr die feste Erde.

Luft bin ich euch
mir aber Feuer.



Die sieben Todsünden


er hat sich vom Leben zu wenig genommen

er hat nie die Schönheit des Jetzt wahrgenommen

er hat sich nie Spannendes vorgenommen

er hat nie ein Wort zurückgenommen

er hat niemand und nichts angenommen

er hat vielen vieles übel genommen

er hat sich dann – später – das Leben



Die Wüste


Die Wüste ist nicht der
schlechteste Ort. Alles
ist klar. Wer die Macht
hat: Dein Schatten ist
klein. Es ist still. Keine
Bewegung. Nur das heilige
Strahlen der Steine. Das
Leben ist einfach. Wichtig
ist Wasser bei Tag und
Wärme bei Nacht. Große
Freiheit ist in der Wüste.
Selten eine Begegnung.
Du siehst ihn kommen, den
Fremden und fassest
Vertrauen. Esst mit den
Fingern und teilt Euer Licht.
Dann zieht weiter. Die
Wüste ist nicht der
schlechteste Ort. Du
findest alles, auch Dich, in
der Wüste. Zeit ist genug da
und Sand. Ab und zu ein
Gedanke, kostbar und kalt
wie das Wasser im Schoß
des Gebirges. Das Gebirge
ist fern. Auch nach vielen
Schritten rückt es nicht näher.
Dein Herzschlag kracht
in die Rinde des
Salzsees.



dir zu helfen


Was ich auch täte:
es würde nichts nutzen.

Ich kann nur sein,
was ich bin.

Das aber
ist das Schwierigste.



Dreierlei aus dem modernen Arbeitsleben


Wir sind schon erledigt, egal was wir tun

Wir könnten uns alle beim Chef beklagen

Wir könnten auch resignieren, je nun...

Wir könnten alles der Zeitung sagen

 

Wir könnten uns alle beim Chef beklagen

Wir könnten brennen und Bomben werfen

Wir könnten es endlich der Zeitung sagen

Wir könnten die ganze Welt damit nerven

 

Wir könnten brennen und Bomben werfen

Wir könnten dämlich sein mit den Schafen

Wir könnten die ganze Welt damit nerven

Wir könnten mal eine Nacht drüber schlafen

 

Wir könnten dämlich sein mit den Schafen

Wir sind doch erledigt, egal was wir tun

Wir könnten mal eine Nacht drüber schlafen

Wir könnten auch resignieren, je nun ...

*

Sie laden die Gewehre. Wir werden füsiliert.

Noch lächeln sie und sagen: Hoch der Zusammenhalt!

Und Füsilieren? Nimmer! Man sei zivilisiert.

Dann machen sie uns leise in Hinterzimmern kalt....

 

Noch lächeln sie und sagen: Hoch der Zusammenhalt!

Loyale Mitarbeiter,  kommt knechten ohne Klag’

Dann machen wir euch leise in Hinterzimmern kalt...

Wir machen euch schon fertig, ein Stück mehr jeden Tag!

 

Loyale Mitarbeiter, kommt knechten ohne Klag’

Sie träufeln Gift. Sie mobben. Sie kriegen uns bald klein

Sie machen uns schon fertig, ein Stück mehr jeden Tag!

Und wir: Wir wissen alles. Doch wir sind sehr allein.

 

Sie träufeln Gift. Sie mobben. Sie kriegen uns bald klein

Sie laden die Gewehre. Bald sind wir füsiliert.

Ach ja, wir wissen all das. Und wir sind sehr allein.

Doch wir bewahren Haltung. Wir sind zivilisiert.

*

Man sagt, ein Anfang wohnt im Ende.

Man hat es hinter sich gebracht.

Wer das sagt, steckt nicht mehr im Sumpfgelände.

Wer das sagt, der hat Morgen nach der Nacht.

 

Man hat es hinter sich gebracht.

Man zählt die Narben auf der Haut.

Wer das sagt, der hat Morgen nach der Nacht.

Der schaut nach vorn, wo eine Zukunft blaut.

 

Man zählt die Narben auf der Haut.

Man prüft den Sitz von Knochen und Gelenk.

Man schaut nach vorn, wo ferne Zukunft blaut.

Man weiß: alles was jetzt kommt, ist Geschenk.

 

Man prüft den Sitz von Knochen und Gelenk.

Es stimmt: ein Anfang liegt im Ende.

Und alles, was jetzt kommt, ist ein Geschenk.

Wer das sagt, steckt nicht mehr im Sumpfgelände.

 

Du bist da


Stiehlst dich hinein
wie ein Dieb
ein Geruch

Du bist da

wie eine Freude
eine tiefe Musik

lässt mich glühen
noch

unter
rauhreifgefiederten
Ästen

(Magnolien
aus
Eis
deren
Blüten
im
Fallen
sich
öffnen
zu
Küssen
und
schmelzen)

fühle ich dich

den zitternden
Bogen



Eichendorffs Sommer


Flammenfinger, rotes Glühen,
Sommer, Sommer bin ich noch!
Schmelzen, hämmern, glätten, ziehen:
Jeder Wille ist ein Doch,
ist ein Kämpfen; heißes Streiten,
ist ein Feuer dir und mir,
ist ein glutvoll Voranschreiten
ist ein Hoffen für und für.

Ist es auch mein letzter Donner,
leben will ich heiß und wild,
brennen will ich meinen Sommer,
schmelzen mir zu einem Bild.
Leuchten soll in Herbstes Tagen,
mir mein Bild; wird nie verprasst,
Winter höret keine Klagen,
wenn der Tod die Hand mir fasst.



Ein Tag

legt sich sanft zu dem anderen

wie unsere Körper

in der schönsten Stunde

des Tages

ein Tag

zieht sich entlang

endloser Stunden

bis zu der einen

der kurzen

der schönen

ein Tag

ist schwer

schwer beladen

mit deinem Gestern

gezogen vom Morgen

das jede Stunde

im Hier erstickt

ein Tag

ist grausam

unerbittlich die Botschaft

zu lieben

jede Minute

ein Tag

ist ein Tag

wenn er Tag ist

es sein darf

 

 

 

Stunde um Stunde

 


 

ein Tod


Ein Tod.
Wir sind viele.

Es geht ihm wie allen immer mehr
ist zu leisten
ausgeleiert
sein Bogen seine Hand
zittert über den
Listen
der Namen.

Er hetzt los
in der Frühe
doch vergisst er
die ihn
erwarten
holt Liebende
aus ihren Betten.

Planlos.
Verbissen.
Wie eine Fliege
am hellen Fenster.



Eingedampfter Schiller


Das Wasser     Der Fischer    Die Angel

ruhevoll



Das Wasser    Das Weib       Die Lockung

singen



Mach es wie: Sonne
Mach es wie: Mond
Mach es wie: Himmel

so schön: du


Das Wasser    Der Fischer    Die Sehnsucht

sinken.

 

eins und zwei

 

ich bin allein

mein Gedicht ist allein

mir so fremd

wie ich mir



Eisenherz


Niemand wird als Eisenherz geboren

(sie meinten es nur gut)

wem aber eiserne Ringe

die Füße die blutigen Ringe

am Galgen

(sie wussten es nicht besser)

ohne jemanden

(sie kannten es nicht anders)

Eisen durch Knochen Säge aus Eisen

heiß Eisen Fleisch

(sie wollten nur dein Bestes)

wer den Geruch von Eisen

den Blutgeruch von Eisen

(sei nicht so empfindlich)

den heißen Geruch von Fleisch

(da kannst du lange schreien)

wird stechen schneiden töten oder

(niemand wird dich hören)

Dichter

 

ende


Als habe ein Meteorit eingeschlagen
Staub
die Sonne verfinstert
und die Welt würde kalt.

Als seien alle Quellen versiegt
als werde es
nie wieder Frühling.



Eva


Was uns unterscheidet von
Huren
ist nur die Währung
in der wir bezahlt werden
und dass wir es
freiwillig
tun.

Wir stehen an den Straßen
wir schwenken wir lächeln
die Pracht unserer Seelen
selbst der Wind ist uns
Freund

in beliebiger Liebe
in uns wühlt ein jeder
wir geben der Not
und nicht
aus der Fülle.

Nur unsere Küsse
behalten wir uns.



Februarmorgen


ein Februarmorgen
vor allem die Spatzen
merken es

und wir
noch einmal
eine zärtliche Stunde


man wird uns finden
in den langen mänteln
des abschieds

aneinandererfroren



geduldig


vom loslassen schrieb ich
doch wusste ich nicht eigentlich
wovon

loslassen
das meint:

den wilden Bränden des Herzens zuzusehen
nicht sie anzufachen
noch zu löschen

den ausgeglühten Kern
geduldig
von Asche zu befreien

loslassen meint:
ein weißes Blatt sein
jeden Tag neu



Glaube.Liebe.Hoffnung


Es gibt keinen Gott

sagte ich

und betete

 

Es gibt keine Liebe

sagte ich

und liebte

 

Es gibt keine Hoffnung

sagte ich

und pflanzte

 

Es gibt keine Wahrheit

sagte ich

und log



Gott ist


Gott ist eigentlich konservativ

so viele Jahre hält er am Teufel

Gott ist eigentlich träge

Seinem lässt er uns Namen geben

Gott ist eigentlich gleichgültig

vier Geschichten vom Tod seines Sohnes

Gott ist eigentlich unfruchtbar

alte Männer lässt er sich säen

Gott ist eigentlich überflüssig

geradeso wie jeder von uns

 

 

Haiku.Realität

 

Alles was da ist
das Gras der Bach die Bäume
ist auch ohne mich.

 

Heimat


wenn ich aufwache,
kann ich den Osthimmel sehen
und – hoch im Jahr – die Sonne,
den anrollenden Schwarzwald
Kämme brechen
am Strand der großen Ebene
die nach Süden ruft
in dunstige Fernen
und angeschmiegt an den Berg
meine schöne Stadt
in der schönsten Heimat


mein Gefängnis



Herz


ich habe mir in die brust geschnitten mein herz

auf den teller gelegt

da liegt es vor mir

und ich spreche zu ihm

weil sonst niemand da ist

obwohl du da bist

wie immer

immer noch

immer wieder

ich kann nicht mehr

geh



Irdener Krug


Ich war ein irdener Krug
als du
mich
fandest

aus reinem Kristall und mich fülltest mit Ozeanen.

Ich war ein irdener Krug
als du
dich
fandest

an seinem Grunde im Dunkel.

Ich bin ein irdener Krug.



Karma.Das meint: Erfahrung


Als ein Ungeliebtes
zurückgelassen
in der unerbittlichen
Wahrheit der Wüste

allein

mit dem Sausen
Gottes im Wind

ging ich lange
unter der Sonne
und ging im Mond
und schlief nicht
bis zu dem Tal
der schönen Weide
in deren Bann
ich vergaß
was ich war
und war neu
und der Fluß trug mich fort
unter den Schatten des Berges
und wieder hervor
warf mich an Land
das Schloss zu erobern

Dieses war leicht
über die Schwelle zu gehen
war leicht.

In den Hallen dahinter
leuchtete Zukunft,
doch waren sie leer
kaltes Gold blind
gewordene Spiegel
in denen mein Bild
sich verlor ohne Hoffnung
trieb ich mich weiter
der letzten
der Türen entgegen
die willig mir aufschwang
und mich zurück gab
der Wüste

 

Kosmisches Gelächter


Am Rand der Welt kauern.
Haut in Streifen abschälen.
Fackeln atmen.

Schmerz mit Schmerz löschen,
alles das.

Aber Lachen?
Lachen tötet.

 

la presencia de la nada


wohin ich gehe
weiß ich nicht
aber wer ich bin
dachte ich
aber das land sagte

suche

den stein der
in deine hand passt
unschuldiges Wasser
zieh mit den eisigen wolken
von horizont zu horizont
ergib dich dem wind
denke langsam
wie ein gletscher- blaußßß
reiße dich los wie ein dornbusch
sei ein tropfen eine träne ein blatt

sei

 

Lascia la spina (für Dagmar)

 

Das Weiche einer Wange.
Das Runde. Das Warme.
Rotes, glutvolles auch.
Kerzenlicht. Samt.
Wie die Stimme
innig
den Tönen verflochten.
Wie die Wange
sich schmiegt
in die Hand.


lieb.eng

 

immer leise. Punkt.
und wind ist kreis
und lieb eng
letzte leb ich
in was ich im hof hab
lieb eng
fast ungefähr genau
so

 

MARKETING

 

Hartnäckiger als ZEUGEN

Jehovas an der Haustür un-

abwendbarer als eine GRIPPE

aufdringlicher als ROMA

von Laura Biagiotti im Frühbus

und lästiger als SPAM MAIL

sind

die unverlangten Offerten von

 

SUICIDE-SERVICE.com

 

in der Nacht

Nach umfassender MARKTANALYSE

haben sie

MICH

ausgesucht wie kann ich dies Angebot

ABLEHNEN?

Mein Teich

 

Das Leben
vom Grund eines Teiches gedacht –
wäre anders.

Aber nicht sehr.

Geborgen
läge man
unter den Daunen
des Eises
gewiss
Licht und Wind
kehren wieder
es in silberne
Stücke zu
spalten.

Sich
leise zu regen
in dem lichtgrünen
Märzmeer doch
Vorsicht:
Noch hat der Teich
eine Gänsehaut
in der Nacht.

Dann
grünen zu
wachsen
entlang heller Tage
und tanzen
im Festkleid
der Sonne in der Hitze
am Grund liegen
den Mund
rund
wie das Auge des Himmels

Blau trinken.
Nichts weiter

Als Staunen
über Bäuche von Wolken
und Menschen
Gestirne aus Fischen
jede Nacht
neu

Zu der Weide sich legen
ihre Hand ist so sanft

Und zu träumen
von den verlorenen Rosen
bis das Wasser
schwarz wird
und
still

Wer jetzt in den Teich blickt
sieht mir in die Augen.

 

 

Metamorphose I

Traue ihm nicht
dem Schritt den Du tust
traue ihm nicht
unter dem Gras liegt der Schatten
der Schatten liegt darunter
ihm ist nicht zu trauen
genau wie der Sonne
sie tritt hinter Wolken
so wie Dein Fuß in den Schatten
der Schatten
ist kein Schatten
der Kühlung
ihm ist nicht zu trauen
wo er auf Dich fällt
erfrierst Du

 

mon âme soeur

Wir wollen die leuchtenden Stunden
teilen
nicht unsere Nächte

Herz an Herz gelehnt
zärtliche Ausschau halten
von Bergen

und lächeln:
Wir kennen unsere Abgründe

 

Nachtschwester (auf den alten Goethe)

Schnell auf die Vier...
Der Alte
dort
redet
ruft irr
zu dem – glaube ich – Mond:

Will zur staubigen
Nachtsonne, der alten Lustlampe
aufsteigen mit ihren Augen
sehen, was die warmen

Schenkel verbergen
der Frauen, wie Engelsflügel
in den wartenden Betten

Sehen! Sinken! Wollüstig
greift er danach
– batsch
hat er eine
Nachtschwester
versteht keinen Spaß.

 

Nietzsche uff allemannisch

Uff dä Träpp g’hockt
vor dä Dissco
wiä all frittigoobe.

D’Musigg wummeret
bis uff d’ Strooß
triibt dä letscht Tropfä
us dä Bierflasch un
wirft si nuus in d’Naacht.
Schärbe wiä Stärn.

In miir aber
singts,  ganz andersch
.....seelig....
S’isch  mi aiges Liäd.
Ob’s no ebber heert?


öhmd

dann legte ich mich

ins gras mit dem gesicht

nach unten

ins hohe gras

mit dem gesicht

nach unten niemand

fände mich im

hohen gras

nur die hunde

bellten am

hohen gras niemand

fände mich

im hohen gras nicht

im august nicht

im september

bis

zum letzten schnitt.

öhmd.


ohnmacht

wie Schafe im Sturm

drängen unsere Herzen
zueinander
unter dem flatternden Zeltdach
aus Hundegebell und Pferdehufen
verstört
warten wir auf
die hand 
nicht wissend
wann
sie kommt
uns zu scheren
uns zu schlachten



one night stand


gesehen gesprochen getrunken

geraucht geredet geküsst

gestreichelt gekommen geschlafen

gefrühstückt gegangen



realistisch


Ich bin allein.

Allein, wenn du meine Hand hältst.
Allein, wenn wir uns zueinander legen.

Ich war immer allein.
Das ist schon ok.

- dich aber
brauche ich nicht dazu.

 

Riffe

(als das, was ich war)

ein toter Hunger

(als das, was ich werden wollte)

spült mich auf Riffe

(als das, was ich werden sollte)

weit draußen

(als das, was mir wurde)

in der zischenden Luft

(als das, was ich wurde)

die sich schließt

(als das, was ich werde)

fällt ein Stern.

 


 

selbstportrait


nicht zu den

schneeigen auf Frühlingswiesen

nicht zu den

strammen mitten im Walde

- den Lieblingen des Försters -

zähle ich

 

meine Ringe

auf nüchternem Felsen

nackt

hässlich

verkrüppelt

aber

 

meine Borke ist warm weich die

Zweige kitzeln dich

lachend und

sanft ist mein Schatten

tief ist es gut bei mir

 


Silberfädiger September


Halb aus dem Augenwinkel noch erhascht:
Am Wegrand sitzend: graue Tote
aufstiebend wie die Vögel; überrascht
von meinem Blick. Es bleiben rote
Schlieren zurück, da wo sie waren
man sonderbare Krümmungen erkennt
der kalten Luft, in der sie fahren.

Und an dem Kreuz dem Heiland brennt
die Sonne ins Genick. Beweint von Frauen
hängt er am Stein mit langen Gliedern
wie eine tote Spinne, trocken. Den blauen
Himmel sieht er nicht mit den Gefiedern
der Wolken.



Sonett von den Lebensmüden und den anderen



Wie Steine deine Augen in dich sinken
sie tauchen ein in namenlose Meere
wo niemand Wohnung hat. Nur stille Leere.
Du lässt die Hände los. Du willst ertrinken.

An Land sind wir, die Andern. Voll des Lebens,
mit Tagen, die in stolzem Gleichschritt gehen,
mit Stunden, die voll Ungeduld vergehen
und nicht versteh\\\\\\'n, was dir erscheint vergebens.

Wenn aber unsre Augen deine finden
wenn unsre Münder deinen kalten küssen
und unsre Arme deinen Leib umschlingen

dann kehren wir gemeinsam aus dem Blinden
ins Sehende zurück, obgleich wir wissen:
der Pfad ist schmal – es wird uns kaum gelingen.

 

Spaziergang mit Bea

um ruhig zu werden
ineinander

und jede für sich

gehen wir den Weg
miteinander

und jede für sich

unsere Hände halten
einander

und jede hält sich

 

spielerei

entzwei
blei
allein
frei
bereit
zwei

 

Tango für Tania

Du aber
kamst über das Meer,
das Graue der Wellen
noch in den Augen.
Deine Küsse sind salzig.

Tollkühn
hast du das Land
meines Lebens betreten,
mit dem Gang einer Königin,
deinem traurigen Lächeln.

Manchmal ist mein Leben
schwer wie kein anderes
da ich gefangen bin
in eigenen Netzen
am Grunde des Meeres
als wüßte ich nichts von der Sonne.

Aus Sehnsucht kamst du
meine Sehnsucht wirst du
um der Sehnsucht willen
wirst du gehen.

Heute ist mein Herz
schwer wie kein anderes
da ich die Woge schon sehe
die dich davontragen wird.

 

 

Taniett

 

den kuss der erde gab ich dir den kuss

aus stein den kuss des feuers den der nacht

und den der liebe aller küsse pracht

mit dir zu leben mund an mund im kuss

 

du aber sahst mich nicht du warst schon fort

geschöpf aus luft zu rasch sprangst du vom rand

der waage ehe noch der zeiger stand

du schlugst im wunsch nur wurzeln nur im dort

 

hin denken konntest du dich mir erfüllen

du hast zu ewigkeiten hingerissen

wie einen falken hochgeworfen mich

 

ob ferne meere dein verlangen stillen?

erst wenn du fort bist wirst du endlich wissen

wer du bist was wir waren: du und ich.

 

 

Theo - für und wider

 

theo tut’s auf seine weise
augenaufschlag ganz verzückt
singet leise leise leise
und nie ganz und gar verrückt

augenaufschlag ganz verzückt
noch mit 40 jahren feige
und nie ganz und gar verrückt
immer schweige schweige schweige

noch mit 40 jahren feige
kavalier der alten damen
immer schweige, schweige, schweige
homepage voller promi-namen

kavalier der alten damen
kandidat der C-D-U
homepage voller promi-namen
theo, sag’, was bist denn du?

kandidat der C-D-U
bist mit mönchen und prälaten
theo, sag’, was bist denn du ?
täglich deinen freund verraten

bist mit mönchen und prälaten
niemand darf euch beide sehen
täglich deinen freund verraten
hand in hand durch straßen gehen

niemand darf euch beide sehen
angstfassade, heuchelei
hand in hand durch straßen gehen
wäre schön, du wärst so frei

 

 

und das ist erst der Anfang...

 

ich fließe hin
im Wasser
neugeschaffner ströme
und nie gesehene Bilder
sind in mir

stumm bin ich
ungesagter worte
und stehe
staunend
vor dem Ungetanen

wie groß das ist
und wie
zerbrechlich

 

 

und hätte der Liebe nicht

 

Es ist die
Idee
der Liebe
die ich liebe.

Nicht dich.

Ein Sternenmantel
mich einzuhüllen.

Mich abzuscheiden.

Mein Jupiter
meine Droge
die mich
sehen
läßt brennen läßt.

Im Leben hält.

Unwandelbar.
Gleichgültig
wen sie liebt.

 

 

Unmusikalische Variationen

 

Die Vögel            lieben beim Fliegen
Die Menschen      fliegen  beim Lieben
Die Bäume           sterben im Stehen
und du:              redest immer vom gehen

Die Vögel            stehen  beim Fliegen
Die Menschen      sterben beim Lieben
Die Bäume           fliegen  im Stehen
und du:              redest immer vom gehen

Die Menschen       sterben beim Fliegen
Die Bäume            stehen  beim Lieben
Die Vögel             fliegen  im Stehen
und du:               redest immer vom gehen

Die fliegen,           stehen  wie Bäume
Die lieben,            fliegen  wie Vögel
Die stehen,           sterben als Menschen
Was willst du?        Ich lasse dich gehen.

 

 

Unterwegs

 

Was uns treibt
bringt uns zu Fall
was uns trägt
läßt uns untergehn

es geht ganz leicht

noch sind wir lebendig
noch steuern wir
gerade darum
so lebendig
weil wir segeln
entlang der unsichtbaren Linie
die den Tod vom Leben trennt
oder Verrückte von den anderen
und auf der nur Liebende
nichts zu fürchten haben.

 

 

Vergissmeinnicht

 

Fahre zu                             fahre auf                         geh voran

fahre fort                            fahre nieder                    komme wieder



gebe dort                           leb dich aus                     aus dir raus

gebe hier                           leb dich ein                      lass dich ein

 

lebe dann                           gib dich auf                      steige aus

lebe jetzt                            lass es sein                      wieder ein


sei erschöpft                     such\\\\\\\\\\\\\' den Wind                und

schöpfe neu                     suche dich                       vergiss                     nicht mich

 

 

Was klar ist

 

Schreiben! Mein Stift ist
mein Stecken und Stab
mein Licht im Turm,
dessen Mauern ich
doch wollte schleifen

Ein Garten mit Vögeln,
Musik....

Und jetzt wieder
Steine und Eisen.

Ich bin dessen müde.

Meine Tür steht offen
auch wenn niemand
eintreten will.

 

wieder in der Wüste

 

zwei Buchstaben
auf Papier
ein Du -
sitzen wir
auf der weiten Fläche
ohne einen Abdruck
zu hinterlassen
nicht einmal Schatten
werfen wir
neben uns
hingeworfen wie Spielzeug
ein Lied und ein
Bleistift das
brauchen wir nicht mehr

 

Wolkenpelztier

 

Wolkenpelztier
zitterndes schwankendes
Neuherz zu mir
Wolkenhaut lege dich
Schattengedanken
flüstere mir Nebelworte
atme mich
Hauchblaugesäumtes
Traumungewisses
entzieh dich kehr wieder
lass mich in deinen
Elfenbeinleib

 

wortreich

 

ich habe nichts geboren
als Worte
ich habe nichts geborgen
als Worte
ich habe nichts geborgt
als Worte
ich habe nichts gesagt
als Worte
ich kann dir nichts sein
als Worte
ich habe nichts anderes

 

 

Ziel

 

Loslassen
will ich
eure Hände
allein
vor dem leeren Himmel stehen mich
fernhalten den Häusern der Menschen

Sein
was Bäume sind
sein
wie Felsen sind
die ohne mich
sind.

So wie du.

 

 

Zuversicht

 

Es ist gut,
heimzukehren.

Es ist gut,
vor einem leeren Blatt
zu sitzen und zu wissen:

Es wird sich füllen.